Über das Schreiben
Artikel und nützliche Informationen rund um das Thema »Schreiben«

Der Startschuss für den NaNoWriMo – den Monat, in dem Hunderttausende Menschen auf der ganzen Welt versuchen, einen ganzen Roman in gerade einmal einem Monat zu schreiben – ist um Mitternacht gefallen. Wer daran teilnehmen will, kann jetzt noch schnell auf den Zug aufspringen, aber diejenigen, die das wollen, habe das bestimmt ohnehin schon getan.

Im Oktober hatte ich ja bereits über den NaNoWriMo 2019 – Preptober berichtet, wie die Leute, die am NaNoWriMo teilnehmen, diesen Monat nun schon seit einigen Jahren nennen. Bei diesem Namen sollte man meinen, dass es kein Problem mehr bei der Vorbereitung auf den NaNoWriMo gibt, denn schließlich hat man einen ganzen Monat dafür. Und dann noch einen ganzen Monat zum Schreiben. Zwei Monate also eigentlich insgesamt.

Aus 1667 Wörtern am Tag werden auf diese Art und Weise 833 Wörter, die man jeden Tag schreiben muss, um sein Ziel zu erreichen, ein Klacks also, der sich gut in den normalen Tagesablauf einbauen lässt.

Sollte man meinen.

Annika Bühnemann ist eine sehr rührige junge Frau, die schon seit einiger Zeit immer wieder interessante Videos zum Schreiben veröffentlicht, auch Kurse anbietet und einen sehr informativen Blog auf ihrer Webseite führt. Sie hat auch ein Video zur NaNoWriMo-Vorbereitung gedreht, das ich nur empfehlen kann, ebenso wie die Links und Hinweise auf ihrer Seite.

Self-Publishing ist grundsätzlich eine gute Sache. Früher haben die Verlage allein die Macht darüber gehabt, wer veröffentlichen darf und wer nicht. Das war einerseits gut, weil dadurch unfertige Texte, Texte mit vielen Fehlern, Texte, die irgendwelche Beleidigungen enthielten usw., gar nicht erst zur Veröffentlichung kamen. Andererseits war es aber auch schlecht, weil allein der Geschmack des Lektors oder der Lektorin, des Verlegers oder der Verlegerin darüber entschied, was veröffentlicht wurde, und Geschmäcker sind nun einmal verschieden. Vor allem unterscheidet sich der Geschmack des Publikums oft vom Geschmack derer, die Bücher machen.

Und dann gibt es eben auch noch die Nischenmärkte – wozu beispielsweise auch lesbische Literatur gehört –, die gar nicht bedient wurden, weil sie nicht groß genug waren, nicht genug Profit versprachen oder genug Leserinnen, um die Kosten, die ein Buch bei der Produktion verursacht, wieder hereinzubekommen. (Ganz zu schweigen davon, dass es viele Leute anstößig fanden, homosexuell zu sein, und das als „Perversion“ betrachteten.)

Als die ersten Lesbenkrimis nach Deutschland kamen, in den 80er Jahren des vergangenen Jahrhunderts, war das etwas ganz Besonderes für uns Lesben. In den 70er Jahren gab es nämlich so etwas überhaupt noch nicht, sondern da begann erst einmal die sogenannte „Frauenliteratur“ – zuvor hatte es auch das nicht gegeben –, und die bestand eigentlich nur aus Heterofrauen, die darüber jammerten, dass die Männer sie nicht verstehen. Schon damals dachte ich: Ja, mein Gott, was ist das Problem? Wenn die Männer euch nicht verstehen oder ihr nicht glücklich mit ihnen seid, warum sucht ihr euch dann nicht einfach eine Frau? Aber sag das mal einer Heterofrau. 😂

Liebesromane sind eine uralte Gattung, denn Liebe ist so universell wichtig, dass kaum eine Kultur auf ihre Beschreibung verzichten kann. Doch obwohl dieses Gefühl doch eigentlich jedem bekannt sein müsste, wird sich über seine Beschreibung immer wieder lustiggemacht. Ist es den Menschen, die sich darüber lustigmachen, vielleicht peinlich, weil sie auch schon einmal so etwas empfunden haben, wie es in Liebesromanen beschrieben wird? Wollen sie es lieber nicht wahrhaben, dass sie ebenfalls liebesfähig sind und sich vielleicht schon einmal genauso „kitschig“ gefühlt haben, wie sie es an den Romanen bemängeln? Bilden sie sich so viel auf ihre Vernunft ein, dass sie sich sogar einbilden, sie stände über allem, selbst über dem Gefühl, das so tief aus unserem Inneren kommt?